Aktionen im Schuljahr 2003/2004


Vortrag: "Wie viele Fürsten braucht das Land?"
Am 03. September 2003 fand ein Vortrag, „Wie viele Fürsten braucht das Land“, mit Dr. Friedrich Gaul aus Hannover, im Kursaal Bad Sachsa statt. In Zusammenarbeit mit dem Friedrich Fröbel Kindergarten und dem Förderverein, der den Vortrag finanzierte, wurde die Veranstaltung geplant und ein Rollenspiel  zum Auftakt einstudiert. Die Grundschulen und Kindergärten in der näheren Umgebung wurden angeschrieben und alle Kinder bekamen einen Flyer für diese Veranstaltung.

Artikel im Harz Kurier
Dr. Friedrich Gaul über verwöhnte Jugend- und Erziehungsfehler
Die Schulmüdigkeit in den Schulen nimmt immer mehr zu. In Deutschland schwänzen laut statistischer Erhebungen rund 500000 Jungen und Mädchen den Unterricht. Im Bundesdurchschnitt verlassen etwa zehn Prozent die Schulen ohne Abschluss und über 20 Prozent aller Schüler sind aufgrund ihrer Schwächen kaum ausbildungsfähig.

Zu diesem Problembereich sprach auf Einladung des Fördervereins der Grundschule und des Friedrich-Fröbel-Kindergartens Bad Sachsa der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Dr.Friedrich Gaul aus Hannover im Kurhaus.
Der Redner vor über hundert Zuhörerrinnen und Zuhörern: „Eine fürstliche Erziehung für unsere Kinder, doch wie viele Fürsten braucht das Land?"„Das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen sei zwar gestiegen und das sei auch gut so. Der Nachteil sei aber, fuhr Gaul fort, dass sie äußere Zwänge ablehnten. Sie arbeiteten nur, wenn sie auch Lust dazu hätten und nicht, wenn sie es müssten. Die Pädagogen in den Schulen, die keine Show-masterqualitäten mitbrächten, hätten es mit steigender Tendenz immer schwerer, bei den medienverwöhnten Schülern noch Gehör zu finden.

Eltern sind machtlos, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht. Warum? Seine Antwort lautete: „Weil zu vielen Kindern und Jugendlichen alle Ansprüche erfüllt werden, aber nicht nur die Eltern, auch Opa und Oma sind zu oft daran beteiligt. Je verwöhnter die Kinder, umso größer sind die Schwierigkeiten bei den Lernanforderungen".
Das Phänomen Schule sei das Spiegelbild des Zustandes unserer Gesellschaft, die schon seit einer ganzen Generation und länger eine Art „Vollkasko -Wohlfahrtsstaat" als oberstes Zukunftsziel dahingestellt habe. Das sei solange gut gegangen, wie auf die materielle Substanz und auf den Leistungswillen  der Nachkriegsgeneration zurückgegriffen werden konnte. Heute seien die Kinder zwar„cool" und verbal gut geschult, aber Unsicherheiten treten auf, angefangen beim Kindergarten, in der Schule oder im Beruf, wenn sie auf sich alleine gestellt sind.
70 Prozent der Fälle in seiner Praxis seien männliche „Kunden", teilte er mit. Legastheniker sind zu 90 Prozent Jungen, motorisch auffällige Kinder zu fast 100 Prozent Jungen. Der Grund sei die mütterliche Erziehung die besonders bei Jungen mehr Verwöhnung als konsequentes Handeln bedeutet. Den Jugendlichen gehe es dabei so gut, dass sie das „Hotel Mama" oft sehr, sehr lange in Anspruch nehmen. Die Form der Übermütterlichkeit sei
deshalb ein Problem, weil die Väterlichkeit im Gegensatz zu den Vorgängergenerationen fehle. Damit kommt ein Junge in der Familie und Schule noch durch, aber im Berufsleben ginge er mit einer derart bequemen Einstellung baden. Die Jugendlichen müssten wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen und die Erziehung müsse ihnen die Realität vor Augen führen. „Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir schon in der früh kindlichen Erziehung damit anfangen, das heißt, im Kindergarten und im Elternhaus", schloss Dr. Gaul seinen rund 75-minütigen Vortrag.

Dr. Gaul hielt seinen Vortrag vor großem Publikum. Der Kinder- und Jugendpsychotherapeut hatte auch schon einmal im Sachsaer Schulzentrum über dieses Thema gesprochen.

Eine kleine Kostprobe der heutzutage gängigen Dialoge boten eingangs des Vortrages die 1.Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule, Monika Hahn als Mutter und die Erzieherin des Friedrich-Fröbel-Kindergartens, Jenny Requardt, in der Kinderrolle.