Konflikte lösen, Selbstvertrauen fördern
15 Grundschüler beginnen Arbeit als Streitschlichter
Aufbrandender Beifall und viele Bravo-Rufe von 300 Grundschülerinnen und -schülern waren gestern in der Grundschule zu hören: Denn die zukünftigen Streitschlichter bekamen offiziell Zertifikate ausgehändigt und nehmen ab nächster Woche ihre Arbeit auf.
Die Streitschlichter sind 15 Schülerinnen und Schüler, die von nun an dazu beitragen sollen, dass Kinder ihre Konflikte eigenständig und nachhaltig lösen. Auch Mitglieder des Fördervereins waren gestern anwesend.
Im vergangenen Halbjahr wurden
in der Grundschule Bad Sachsa 15 Schülerinnen und Schüler
zu Streitschlichtern ausgebildet.
Martina Ludwig vom Landkreis Osterode leitete die
Ausbildung, die im Rahmen des „Print-Projektes“ des Landes
Niedersachsen erfolgte. Dieses Projekt dient zur
„Prävention zum Integrationsprogramm des Landes
Niedersachsen“. „Die Teilnehmerzahl und Dauer der
Ausbildung sind von Schule zu Schule unterschiedlich“, so
Martina Ludwig, die bisher etwa 50 Kinder zu
Streitschlichtern ausgebildet hat.
In der Grundschule Bad Sachsa
sind jetzt Vadim Schwarzkopf, Ira Froitzheim, Annika
Bühring, Ann-Kristin Craul, Marco Polley, Mirko Schulz,
Philipp Grundei, Vanessa Scholz, Adrian Dutka, Martha
Dziedzinski, Siwalai Schloß, Jan Schneppe, Jenny Heinemann,
Jana Busse und Gerritt Bohne zu Streitschlichtern
ausgebildet.
Neben einem Zertifikat
erhielten die Kinder eine Kappe mit der Aufschrift
"Streitschlichter" und einer Friedenstaube als Aufdruck.
Doch nicht nur die Kinder
hatten die Schulbank gedrückt. Auch die Lehrerin
Andrea Schmitz und die pädagogische
Mitarbeiterin Monika Hahn hatten eine
Ausbildung absolviert, um zukünftig selbst Ausbilder der
Streitschlichter zu sein. Sowohl ihnen als auch den Kindern
katte die Ausbildung viel Freude bereitet. Aus diesem Grund
gab es für Martina Ludwig nicht nur viele Dankes- und
Lobesworte, sondern auch ein Buchgeschenk.
Für alle, die die Arbeit der Streitschlichter noch nicht
kannten, erläuterte Martina Ludwig in kindgerechter Form
die Vorgehensweise. Auch dass es Regeln zu befolgen gibt,
die vor den Streitschlichtungsgesprächen den Teilnehmern
erklärt werden und mit denen alle Beteiligte einverstanden
sein müssen, kam zur Sprache: Den Anderen ausreden lassen,
keine verbale oder körperliche Gewalt auszuüben und die
Bestätigung der "Schweigepflicht" der Streitschlichter
gehören unter anderem dazu.
Ihre Probleme selbst lösen zu können, vermittelt den
Kindern Selbstbewusstsein und trägt zur Integration bei.
Das bedeutet aber nicht, dass nicht ein Lehrer auch um
Hilfe gebeten werden darf. Konflikte zu lösen ist das
Hauptziel, welches in mehreren Phasen erreicht werden soll.
Nach dem Aufsuchen der Streitschlichter wird nicht nur über
die Situation gesprochen, sondern auch über deren
Entstehung. Die Frage "Was hätte anders laufen können?"
wird unter anderem gestellt. Am Ende dieses Treffens wird
ein Vertrag aufgesetzt, den alle Beteiligten unterschreiben
und der nach 14 Tagen zu einer erneuten Zusammenkunft
führt, um auszuwerten, wie erfolgreich die Maßnahmen waren.
Streitschlichter gibt es an der Grundschule bereits seit
drei Jahren.
Mehr Bilder können hier angesehen werden.
aus: HarzKurier vom 28.01.2006 (kru)
